HOLZ IST GENIAL! - FEINE RÜCKMELDUNGEN VON LISA MARIA KAGER

Sechs Holzchalets mitten im Wald. FeliZitas ist ein Ort, wo sich Sprachen treffen und Kultur entsteht, wo Grenzen unsichtbar in der Natur verschwimmen und man Ruhe findet.

Der erste wache Atemzug bringt einen duftenden Schwall von frischer Zirbe in meine Nase und weckt mich so sanft, wie er mich träumen lies. Im Waldchalet feliZitas morgens das erste Mal seine Augen aufzumachen, heißt weiter träumen:

Der erste Blick schweift durchs Fenster direkt auf die weiter entfernten Bergspitzen, die mit den Baumwipfeln hoch in den blauen Himmel ragen. Erste Sonnenstrahlen wärmen meine Beine, während ich mich noch ein paar Mal im gemütlichen Bett hin- und herwälze, bevor ich endlich aufstehe. Wenn man mit nackten Füßen das erste Mal über den Zirbenkieferboden des Hauses läuft, berührt man direkt Natur und spürt die Kraft der Zirbe, die durch Beine und Oberkörper bis ins Zentrum des Herzens zieht. Durch das offene Fenster weht der Duft des Waldes herein und scheint die Zirbenluft im Inneren des Holzhauses zu küssen. Gehüllt in die köstlichsten Gerüche der Natur, schwebt man geradezu ins Bad, wo man in den luxuriösen Duschen unter Regenhimmel vom Wasser endgültig aufgeweckt wird. Die Wände auch hier aus Holz, das Waschbecken getischlert aus altem Holz von einem nahegelegenen Bauernhof.

Die Naturmaterialien ziehen sich aber nicht nur durch dieses Haus. Jedes der Chalets ist ganz aus Holz, naturbelassen und ohne künstliche Zusätze zusammengesteckt und scheint dadurch im angrenzenden Wald eine ideale Tarnung zu finden. Wie aus dem Waldboden gestampft stehen sie da, die sechs feliZitas Chalets, mitten im Wald von St. Felix.

Guten morgen, Sonnenschein

Lässt man sich in den frühen Morgenstunden von der Sonne wecken, kann man seine Füße in der Lichtung, die das angrenzende Waldstück freilegt, im taunassen Gras erfrischen. Die Sonne streift den bunten Waldboden, der inmitten von Schmetterlingen, Gräsern und Blumen kleine Walderdbeeren versteckt. Weil diese zum Frühstück bestimmt nicht genug sind, stellt Familie Passler zur Begrüßung auch noch einen Frühstückskorb mit kleinen Marmeladen, Honig und frischem Brot bereit. In der kleinen Küche, die bereits rundum eingerichtet auf kreative Köche wartet, kann man seinen Morgenkaffee brühen, um fit in den Tag am Deutschnonsberg zu starten.

Zu erleben, gibt es hier oben nämlich jede Menge. Auch wenn viele Touristen diese Gegend noch scheuen - was mich persönlich noch eher hier her lockt - birgt sie Schätze wie den Felixer Weiher, den Blick vom Laugen oder etwa den naheliegenden Wasserfall in Tret.  

Wer es etwas italienischer mag, ist im nu über der Grenze im Trentino und kann sich am Lago Smeraldo einen typisch italienischen Kaffee gönnen, bevor er sich zum Raften oder zum Canyoning in die umliegenden Wasserschluchten stürzt. Langweilig wird es einem hier heroben also sicher nicht. Und wenn doch, dann nur, weil sich Langeweile auf den niedlichen Terrassen der Chalets prächtig ertragen lässt; den Kopf in die warme Sonne gestreckt mit Blick auf Wald, Wiesen und Berge.

einZigartiges feliZitas

Nachhaltig wurde hier gebaut und kaum Plastik verwendet. Würden die sechs Chalets zusammenbrechen, könnten sie einfach so vom Waldboden wieder aufgenommen werden.

Jedes der Häuschen sieht von innen anders aus. Beim Betreten der Chalets merkt man bereits, dass hier keines wie das andere aussieht. Jeweils eines wurde von Ivo, drei von seiner Mama Lisi und zwei von seiner Frau Fauzia eingerichtet. Wenn in Letzterem die afrikanischen Wurzeln von Fauzia auf bunt bemalten Tüchern zu sehen sind, ist in Lisis Chalets die bunte Ader der Kunstschülerin auf großen Leinwänden sichtbar. Ivos Häuschen hingegen sind eher puristisch eingerichtet und lassen seine Verbundenheit zur Natur erahnen. Natürlich hatte auch Papa Richard seine Hände im Passlerschen Gesamtkunstwerk im Spiel. Er hat sich mit feliZitas einen Traum erfüllt und die sechs Chalets als Geometer in Eigenregie geplant und im Bau geholfen. Wichtig war ihm dabei vor allem dem Deutschnonsberg auf natürliche Art und Weise langsam wieder eine Chance auf Tourismus zu bieten, was ihm hier eindeutig gelungen ist.

Immer wieder fällt einem in den verschiedenen Häusern die Geschichte ins Auge. Alte Heugabeln wurden hier als Kleiderständer umfunktioniert und Tische nicht aus neuem Holz, sondern aus Paletten oder altem Holz aus der Umgebung gebaut. Auf das Detail haben die Passlers besonders viel Wert gelegt. In jedem Waldhaus steckt ein Stück Heimat, ob in Form von Baumaterialien oder von Accessoires, die aus Südtiroler Materialien und von Südtiroler Hand gefertigt wurden.
Nicht nur Afrika und Südtirol treffen hier im Felixer Wald aufeinander. Geht man einige Schritte neben die Chalets, befindet man sich gefühlt in der Mongolei. Der Waldgeruch weicht einer Brise von frischer Schafwolle, die das feliZitas Gemeinschafts-Rundzelt dämmt. Die mongolische Festtags-Jurte bietet einen Raum, in dem Gäste der Waldchalets gemeinsam zusammensitzen und Ideen sprießen lassen können.

Ideen schweben über dem kleinen Paradies der Passlers sowieso wie die Wolken am Himmel. Man spürt die Energie und sieht die Liebe, mit der die Familie dieses Projekt umgesetzt hat.

Die Einzigartigkeit der Chalets in Worte zu fassen fällt jedoch überaus schwer, am besten man lässt den Mix aus Kulturen, Farbe, Form und Material einfach selbst auf sich wirken.